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Eine kleine Anleitung zum Burnout

Eine psychische Erkrankung, die heute in aller Munde ist, ist das sogenannte Burnout-Syndrom. Wie der Name schon sagt, geht es dabei um das ‘Ausbrennen’. Es handelt sich dabei um eine Art Erschöpfungs-Depression die sich einstellt, wenn über kürzere oder längere Zeit die eigenen Grenzen nicht gewahrt werden und sich zu einem hohen Arbeitspensum noch schlechte Arbeitsbedingungen (wenig Anerkennung, Mobbing) oder private Belastungen hinzugesellen. Ein solches Burnout springt uns dabei nicht grundlos an, sondern es ist auch möglich, ein solches aktiv hervorzurufen.

In einem Buch des Psychotherapeuten Ortwin Meiss (vgl. Meiss 2016, S. 163f) habe ich dazu eine kurze Anleitung von Walter Brüggen gefunden, die ich im Rahmen dieses Blogs sinngemäß mit Ihnen teilen möchte. (Es erübrigt sich dazuzusagen, dass es ein erster Schritt in Richtung Burnout-Prävention wäre, die genannten Ratschläge NICHT zu befolgen)

 Eine kleine ANLEITUNG zum BURNOUT

Schritt 1: Eminent wichtig ist es zunächst, die Arbeit an die erste Stelle zu stellen. Andere Bereiche, die Selbstestätigung verschaffen könnten, sollten vermieden werden. Auch Hobbies die Spaß machen sollten tunlichst vermieden werden. Nur Arbeit sollte ein Gefühl von Selbstwert geben. Dabei ist es wichtig, besonders hart zu arbeiten. Nur harte Arbeit ist echte Arbeit, wer es sich gemütlich oder einfach macht, ist verachtenswert. Nur wer Abends völlig erschöpft und energielos ist, hat einen produktiven Tag hinter sich.

Schritt 2: Unbezahlte Überstunden sind Pflicht – je mehr, desto besser. Als Selbstständiger sollte man sich, so man gerade Urlaub macht, stets vor Augen halten, wie hoch der Verdienstentgang gerade ist und im besten Fall auf Urlaub ganz verzichten.

Schritt 3: Es ist grundsätzlich so, dass immer mehr geht. Was Sie geschafft haben, sollte Ihnen keinesfalls Befriedigung verschaffen, da es immer ein wenig besser sein könnte. Sollte etwas nicht funktionieren, ist es wichtig niemals aufzugeben sondern einfach die hineingesteckte Energie zu erhöhen.

Schritt 4: Kontakte mit dem Freundeskreis sind Feinde des Burnouts. Es soll also versucht werden, diese Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren und wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, jemanden zu treffen, ist es sinnvoll, nur über berufliche Themen zu sprechen. Am besten ist es aber, alleine zu Hause zu sein, denn hier hat man Zeit, sich an den Schreibtisch zu setzten.

Schritt 5: Ständige Erreichbarkeit ist Pflicht – E-Mails sollten ständig via Smartphone abgerufen und auch immer sofort beantwortet werden, auch im Urlaub, an den Wochenenden, ja am besten auch in der Nacht. Es ist auch gut, immer ein wenig Arbeit dabei zu haben, sodass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fließend werden.

Schritt 6: Es ist sinnvoll auf Beförderungen hinzuarbeiten, noch mehr, wenn wahrscheinlich ist, dass diese Beförderung nicht kommen wird. Ein Chef der einen hinhält kann dabei hilfreich sein. Sollte die Beförderung doch erreichbar sein, wäre es gut, wenn danach die Menge an Arbeit höher würde und Sie inhaltlich überfordert. – Dabei wäre es aber wiederum wichtig, sich dies nicht einzugestehen sondern sich ein schlechtes Gewissen bezüglich der eigenenen Unfähigkeit zu machen und sich als Person damit abzuwerten.

Schritt 7: Delegieren ist Blödsinn – nur was man selbst mach, wird gut und schnell erledigt.

Schritt 8: Nur wer schnell arbeitet, arbeitet gut. Pausen sollten vermieden werden, sie verlangsamen den Arbeitsprozess. Es ist wichtig, der Schnellste zu sein.

Schritt 9: Die Arbeit sollte so intensiv sein, dass Signale des Körpers nicht gehört werden. Sollten sie doch so laut werden, dass sie unüberhörbar werden (Ängste, Panikattacken, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Herzklopfen …) ist es sinnvoll, zu Alkohol, Medikamenten oder Drogen zu greifen, um sich so schnell wie möglich wieder arbeitsfähig zu machen. Auch hier sollte man sich keinesfalls eine Pause gönnen.

Schritt 10: Wenn die Symptome so stark werden, dass nichts mehr geht, darf dieses keinesfalls als Rückmeldung des Organismus verstanden werden, dass am Lebensstil etwas geändert werden sollte, da das Leben, dass Sie geführt haben, Ihrer Gesundheit geschadet hat. Vielmehr sollten Sie sich die Frage stellen, warum gerade jetzt nichts mehr geht, wo es doch immer gegangen ist.

Schritt 11: Wenn es dann nicht mehr geht, handelt es sich um persönliches Versagen. Urlaub oder Ruhe sollten Sie sich auch jetzt nicht gönnen, denn nur wer wirklich leistungsfähig ist, hat Urlaub, Freizeit und Ruhe verdient.

Schritt 12: Es ist sinnvoll sich ein Arbeitsumfeld zu suchen, in dem Belohnungen oder positive Rückmeldungen für Arbeit unwahrscheinlich sind. Sinnvoll ist es auch, ständig darauf zu hoffen und wenn sie ausbleiben, dies auf sich selbst zu beziehen und gegebenenfalles die eigenen Anstrengungen noch zu erhöhen.

Von außen betrachtet sieht es natürlich leicht aus, die genannten Schritte nicht zu befolgen, wer aber in einer solchen schädlichen Spirale steckt, sieht oft nicht, wie die eigenen Grenzen von ihm/ihr selbst und der Umwelt überschritten werden. Das Gespräch mit einem Therapeuten kann dabei in jeder Phase des Prozesses helfen, eine solche Situation auch frühzeitig zu erkennen und Strategien zu entwickeln, etwas zu verändern, dafür zu sorgen, ein Leben zu leben welches nicht einem Arbeitsprozess untergeordnet wird.

Mag. Sebastian Brandl
Psychotherapeut – Systemische  Familientherapie
www.psychotherapie-brandl.at

Literatur:
Ortwin Meiss: Hypnosystemische Therapie bei Depression und Burnout; Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2016