Kategorie-Archiv: Schultertherapie

Schulterrehabilitation bei Rotatorenmanschetten- Problematiken

In diesem Blog möchte ich Ihnen ein paar Grundlagen über das Schultergelenk erklären und Ihnen einen kleinen Übungsplan vorstellen, welchen Sie bei Rotatorenmanschetten-Problematiken durchführen können.

 

1       Das Schultergelenk

 

Das Schultergelenk

Das Schultergelenk wird vom Oberarmkopf und der Schulterblattgelenkpfanne des Schulterblatts gebildet. Da dieses Gelenk vor allem durch Muskulatur gesichert ist und die Bewegungen kaum durch knöcherne Strukturen eingeschränkt werden, ist es das beweglichste Kugelgelenk des menschlichen Körpers. Dadurch sind aber Ausrenkungen der Schulter relativ häufig, ebenso wie Muskel- und Sehnenrisse im Bereich der Rotatorenmanschette.

2       Die Rotatorenmanschette

 

Rottatorenmanschette

Als Rotatorenmanschette (besser: Muskel-Sehnen-Kappe) wird beim Menschen eine Gruppe von vier Muskeln im Schulterbereich bezeichnet, die alle vom Schulterblatt zum Oberarmkopf ziehen und das Schultergelenk kappenförmig umgeben.

  • Muskulus supraspinatus (oberer Schultergrätenmuskel),
  • Musculus subscapularis (vorne),
  • Muskulus infraspinatus (hinten oben),
  • Muskulus teres minor (hinten unten).

Diese Muskeln sind von außen nur teilweise sichtbar, da sie vom breiten und kräftigen Deltamuskel (Musculus deltoideus) bedeckt sind.

Die Aufgabe der vier Muskeln besteht darin, den Oberarmknochenkopf in der sehr flachen Gelenkpfanne des Schulterblattes zu halten. Das funktionelle Resultat ist eine extreme Beweglichkeit in mehreren Beugeebenen und der Drehachse. Auf der anderen Seite bedingt diese dynamische Fixierung eine potentielle Instabilität, weshalb Auskugelungen und degenerative Veränderungen im Schultergelenk besonders häufig sind.

3       Das Therapieprogramm der MOON Shouldergroup

Achtung:

Diese Übungsanleitung soll eine Hilfestellung bei Schulterproblemen aufgrund von Rotatorenmanschettenläsionen sein.

Sie ersetzt nicht eine genaue Abklärung durch einen Arzt.

3.1      Übungen zur steigerung des Bewegungsumfanges

 

  • Müssen mehrmals täglich durchgeführt werden. Optimal stündlich
  • Müssen ausnahmslos im schmerzfreien Bereich stattfinden.

3.1.1      Pendelübung

Lassen Sie den ganzen Arm locker hängen und neigen Sie Ihren Oberkörper nach vorne. Dabei stützen Sie sich mit dem anderen Arm z.B. an einem Tisch ab.

Dann pendeln Sie mit dem betroffenen Arm

  • 20 mal kreisend im Uhrzeigersinn
  • 20 mal kreisend gegen den Uhrzeigersinn
  • 20 mal vor und zurück
  • 20 mal links und rechts.

Kreisen

3.1.2      Unterstütztes Bewegen mit einem Stock

 

  • Bei dieser Übung darf ein leichter Dehnzug gespürt werden, jedoch nicht der bekannte Schmerz.
  • Der Stock wird von oben gegriffen, sodass Sie Ihren Handrücken sehen können.
  • Die Hände sind schulterbreit auseinander.
  • Der gesunde Arm soll die Bewegungen führen.
  • Jede Bewegung 20 Mal durchführen.

1. Stehen Sie aufrecht, am besten vor einem Spiegel. Halten Sie einen Stock, Stab oder etwas Vergleichbares vor Ihrem Körper.

  • Heben Sie beide Arme gestreckt und langsam vor dem Körper hoch und tief.

Stock12. Die Ellbogen liegen an Ihren Flanken an und sind genau 90 Grad gebeugt.

  • Jetzt drehen Sie beide Arme einmal langsam nach rechts, dann langsam nach links.

Stock2

3. Heben Sie den betroffenen Arm über die Seite hoch.

  • Der gesunde Arm führt dabei den betroffenen Arm.

Stock3

 

3.2      Dehnübungen

  • Müssen täglich durchgeführt werden. Optimal morgens, mittags und abends
  • Sie dürfen einen leichten Dehnzug spüren, es darf jedoch kein bekannter Schmerz entstehen.
  • Jede Dehnübung wird 3 mal 30 Sekunden gehalten.

 

3.2.1      Dehnung an der Tür für die vordere Schulterkapsel

 

  • Geben Sie den betroffenen Arm auf Schulterhöhe gegen den Türrahmen.
  • Drücken Sie sich nun mit den Beinen nach vorne und halten Sie den Ellbogen am Körper.

Dehnung Brustmuskel

3.2.2      Dehnung in der Seitenlage für die hintere Schulterkapsel

 

  • Sie liegen in der Seitenlage auf der betroffenen Seite
  • Heben Sie den unten liegenden Arm auf Schulterhöhe
  • Beugen Sie den Ellbogen auf 90 Grad.
  • Jetzt drücken Sie mit dem oberen Arm den unteren Arm sanft nach unten.

Dehnung IR

 

 

3.3      Kräftigungsübung

 

  • Wird jeden zweiten Tag durchgeführt, da der Muskel Zeit zum Regenerieren benötigt.
  • Krafttraining muss anstrengend für den zu trainierenden Muskel sein. Das heißt: Am Ende des Trainings soll eine deutliche Erschöpfung des Muskels spürbar sein.
  • Der bekannte Schmerz darf auf keinen Fall auftreten. Ist dies der Fall, müssen die Gewichte reduziert werden.

 

3.3.1      Kräftigung der Schulteraußenrotatoren in Seitenlage

 

  • Diese Übung wird 3 Mal mit 10 Wiederholungen durchgeführt.
  • Sie liegen in der Seitenlage auf der nicht betroffenen Seite
  • Der Oberarm des betroffenen Armes liegt an der Flanke bzw. Taille an und darf nicht weggehoben werden.
  • Ihr Ellbogen ist 90 Grad gebeugt und in der Hand halten Sie ein Gewicht.
  • Drehen Sie den Arm nun 10 Mal langsam vom Bauchnabel hoch zur Decke und langsam wieder runter.
  • Als Gewicht bietet sich eine gefüllte Wasserflasche an. Starten Sie mit 250 Gramm und 10 Wiederholungen. Steigern Sie nun solange das Gewicht um 250 Gramm, bis Sie nach 10 Wiederholungen eine deutliche Erschöpfung spüren. Machen Sie jeden zweiten Tag, mit diesem Gewicht, 3 Mal 10 Wiederholungen.
  • Sollte Ihnen die Übung leicht fallen, steigern Sie das Gewicht um weitere 250 Gramm.

Kraft AR

 

Bei etwaigen Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Mit lieben Grüßen,

Martin Buchbauer, B.Sc. PT

 

Mit Übungsprogramm Schulter-OP vermeiden

Dieser spannende Artikel stammt aus der Zeitschrift Physiopraxis des Thieme Verlages.

orig

 

Er zeigt, dass Risse von Sehnen an der Rotatorenmanschette der Schulter, welche nicht durch einen Unfall entstanden sind, nicht immer operier werden müssen.

„Ein spezifisches Übungsprogramm mit Physiotherapie kann bis zu drei von vier Patienten mit einer atraumatischen Ruptur der Rotatorenmanschette vor einer OP bewahren. Das zeigt eine Studie der MOON-Schultergruppe aus den USA.

Die Autoren schlossen 452 Patienten ein, bei denen mindestens eine Rotatorenmanschettensehne ohne erkennbares Trauma gerissen war und bei denen die Indikation zur OP bestand. Bei 70 % war die Supraspinatussehne betroffen, bei 21 % die Supra- und Infraspinatussehne, die restlichen Probanden hatten verschiedene andere Kombinationen von Rissen.

Alle Patienten absolvierten ein spezielles, evidenzbasiertes Programm: passive Mobilisationen durch einen Physiotherapeuten im Schnitt einmal pro Woche sowie Heimübungen zur Dehnung und Kräftigung. Nach sechs und zwölf Wochen boten die Autoren den Studienteilnehmern drei verschiedene Optionen an, mit denen sie ihren Zustand beschreiben sollten und die das weitere Prozedere beeinflussten:

  • „geheilt“ – keine Therapie mehr notwendig
  • „verbessert“ – Fortsetzung der Therapie mit erneuter Untersuchung nach weiteren sechs Wochen
  • „keine Verbesserung“ – Angebot einer OP

Die Autoren riefen alle Patienten, die nicht operiert wurden, nach einem und zwei Jahren an, um zu fragen, ob sie sich zwischenzeitlich hatten operieren lassen.

Das Ergebnis: Lediglich 25 % der teilnehmenden Patienten entschieden sich für eine OP, die meisten davon in der Zeit zwischen der sechsten und zwölften Studienwoche.

Nach Abschluss der Untersuchung ließen sich nur noch wenige Teilnehmer operieren. Somit bewahrte die physiotherapeutische Intervention drei Viertel der Studienteilnehmer vor einer OP – angesichts der großen Probandengruppe ein bemerkenswertes Ergebnis.”

Ein Auszug aus diesem Übungsprogramm, wird in den nächsten Wochen folgen.